[Event "Skopje Solidarnost-06"] [Site "Skopje"] [Date "1976.02.29"] [Round "1"] [White "Karpov, Anatoly"] [Black "Vaganian, Rafael A"] [Result "1-0"] [ECO "C08"] [WhiteElo "2695"] [BlackElo "2550"] [Annotator "ChessBase/Karpov"] [PlyCount "79"] [EventDate "1976.02.29"] [EventType "tourn"] [EventRounds "15"] [EventCountry "YUG"] [EventCategory "10"] [SourceTitle "MCD"] [Source "ChessBase"] [SourceDate "1999.07.01"] [SourceVersion "1"] [SourceVersionDate "1999.07.01"] [SourceQuality "1"] {[%evp 0,79,22,22,46,41,36,36,33,31,33,11,42,29,25,24,21,3,32,34,41,55,91,39, 54,66,69,59,49,45,51,40,47,43,50,26,57,90,4,15,0,7,-26,-65,-65,-13,-12,-74,52, 86,104,117,152,122,107,138,118,147,157,163,157,147,147,75,189,208,264,254,593, 610,631,637,810,793,808,812,814,821,814,814,836,840] Und hier ist die vierte Partie zum Thema "der schwache Isolani". natürlich sind auch hier zwei meiner "Lieblingsspieler" die Akteure. Karpov aufgrund seines Stils und Vaganjan, weil er ein Französisch-Spezialist ist. Sehen wir uns die Partie an:} 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nd2 {Das Tarrasch-System gegen die Französische Verteidigung. Zwar verstellt hier der Springer dem Läufer c1 kurzfristig den Weg,} ({ aber gleichzeitig wird die Fesselung des Springers} 3. Nc3 {durch} Bb4 { vermieden, was im Nimzowitsch-System des Franzosen gespielt werden kann. An dieser Stelle ein Buchtipp für Französisch-Spieler: "Französisch... richtig gespielt. Ein Leben lang Französisch" von Wolfgang Uhlmann. Uhlmann ist ein starker Großmeister und Praktiker aus der ehemaligen DDR, der mit allen Großen seiner Zeit, wie Fischer, Botwinnik und Tal erfolgreich die Klingen gekreuzt hat.}) 3... c5 4. exd5 exd5 5. Ngf3 a6 6. dxc5 {eine die Stellung sehr vereinfachende Fortsetzung, die Schwarz aber einen Isolani beschert. Aber Partien werden sehr selten schon in den Eröffnungen gewonnen, obwohl die meisten Amateure ihre Schachzeit dem Eröffnungsstudium widmen. Ich halte das für Unsinn und man kann mich dafür ruhig prügeln.} (6. Be2 c4 {ist angeblich besser.}) 6... Bxc5 7. Nb3 Bb6 ({Ich persönlich halte} 7... Bd6 { für besser, ohne den großen Vaganjan belehren zu wollen.}) 8. Bd3 Ne7 9. O-O Nbc6 10. Re1 Bg4 11. c3 (11. Be3 d4 $1 $11 {Ich halte diesen Bauernvorstoß für angebracht, auch Karpov plädiert in seinen Anmerkungen zur Partie dafür. Die Engines, Houdini 4 und Stockfish 10, rechnen jedoch dagegen an. Partien werden aber nicht... (siehe vorige Anmerkung) Und eine rechenstarke Engine hat man während der Partie auch nicht zur Verfügung.}) 11... h6 ({die sofortige Rochade scheitert an} 11... O-O 12. Bxh7+ Kxh7 13. Ng5+ $16) 12. h3 Bh5 {[#]} 13. Be3 {Der Tausch der schwarzfeldrigen Läufer schwächt alle dunklen Felder von Schwarz, denn sein Zentralbauer steht auf einem weißen Feld. Das ist auch der Grund, weshalb ich der Meinung bin, dass der Läufer nach d6 gehen muss und nicht nach b6, um auf der nur scheinbar besseren Diagonale g1-a7 zu bleiben.} O-O ({Nun wäre} 13... d4 $2 {aber ein Griff in den Kohlekübel, denn nach} 14. Nbxd4 Bxd4 15. Bxd4 Nxd4 16. cxd4 Bxf3 17. Qxf3 Qxd4 18. Rad1 $18 {droht dem Schwarzen Damenverlust und der König bleibt in der Mitte stecken. Ein hoher Preis für ein gewonnenes Bäuerlein.}) ({Wie in einer der vorigen Partien (ebenfalls ein Franzose) kann auch hier Schwarz den Läufertausch nicht verhindern, denn} 13... Bc7 $6 14. g4 $1 Bg6 15. Bxg6 fxg6 16. Nc5 $16 {führt zu keiner beneidenswerten Stellung für Schwarz.}) 14. Bxb6 $14 Qxb6 15. Qe2 Rfd8 16. Rad1 ({Weniger gut wäre} 16. Qe3 Qxe3 17. Rxe3 Bxf3 18. Rxf3 d4 {und Schwarz kann mit dem Isolani vorstoßen und ihn abtauschen und steht danach ausgeglichen.} 19. cxd4 Nxd4 20. Nxd4 Rxd4 $11) 16... a5 17. Bb1 $1 {Schwarz drohte a4 zu spielen, um die weiße Struktur zu zerstören.} Bxf3 $1 {ein wichtiger Zwischenzug!} ({denn nun würde} 17... a4 $2 {an} 18. Nbd4 Nxd4 19. Rxd4 Nc6 20. Rxd5 $1 $16 Rxd5 $2 21. Qe8+ Rxe8 22. Rxe8# { scheitern.}) 18. Qxf3 a4 19. Nd4 Qxb2 20. Nxc6 Nxc6 21. Qf5 $1 g6 22. Qf6 $1 Rd7 (22... Re8 23. Bxg6 fxg6 24. Qxg6+ Kf8 25. Qf6+ Kg8 26. Re6 $18) 23. Bf5 { In seinen Anmerkungen glaubt Karpov hier auf Gewinn zu stehen. Wie üblich glauben die Engines das nicht.} (23. Re3 Qa3 $1 (23... Qb6 $2 24. Bxg6 $1 fxg6 25. Rde1 Qd8 26. Qxg6+ $18) 24. Rde1 Qf8 $1) 23... Re7 $2 (23... gxf5 {Karpov: ?} 24. Rd3 $1 f4 (24... Ne7 25. Rxe7 $18) 25. Qxf4 {[#]} Qc2 (25... f6 $145 $1 $11 26. Qxf6 $11 (26. Rg3+ Rg7 27. Qxf6 Rxg3 28. fxg3 Qd2 $11) 26... Rg7 $11) 26. Rg3+ Kh7 27. Qf6 Rg8 28. Rxg8 Kxg8 29. Re8+ $18 {Karpov}) 24. Rxe7 $16 Nxe7 25. Bd3 (25. Rb1 Qd2) 25... Nf5 $2 (25... Re8 $2 26. Re1 Qd2 27. Re3 Qxa2 28. Rf3 d4 29. c4 $18) (25... Qa3 26. Re1 Kf8 (26... Nc6 $142 {RR} 27. Bxg6 Qf8 28. Bc2 $16) 27. Rxe7 Qxe7 28. Qh8# {#}) (25... Kf8 26. Rb1 Qd2 27. Rxb7 Qe1+ 28. Bf1 Qe6 29. Qh8+ Ng8 30. Qd4 $16) 26. Bxf5 $18 gxf5 27. Re1 Qxa2 28. Qxh6 $1 ({ Voreilig wäre} 28. Re3 {denn mit} f4 $1 29. Qxf4 Qb1+ 30. Kh2 a3 31. Rg3+ Qg6 {hat Schwarz eine böse Parade vorbereitet.}) 28... a3 29. Qg5+ Kf8 30. Qf6 Kg8 31. Qxf5 Qd2 32. Re7 $1 Rf8 33. Qg4+ Kh7 34. Re5 Qh6 35. Rh5 Ra8 36. Qf5+ $1 { und jetzt greift die Dame mit vernichtender Kraft in das Geschehen ein.} Kg7 37. Rxh6 Kxh6 38. Qf6+ Kh7 39. Qxf7+ Kh8 40. Qxb7 {Auch in dieser Partie sahen wir den "schwachen Isolani", aber zugleich sahen wir, wie viel Aufmerksamkeit ihm gewidmet werden muss, damit man keine böse Überraschung erlebt. Wichtig ist es aber, dass man die strukturbestimmende Schwäche, hier den Isolani, überhaupt einmal erkennt.} 1-0 [Event "Olympiad-20 Final A"] [Site "Skopje"] [Date "1972.10.09"] [Round "12"] [White "Bisguier, Arthur Bernard"] [Black "Karpov, Anatoly"] [Result "0-1"] [ECO "D94"] [Annotator "Toefferl,Heimo"] [PlyCount "64"] [EventDate "1972.09.27"] [EventType "team-tourn"] [EventRounds "15"] [EventCountry "YUG"] [SourceTitle "EXT 2000"] [Source "ChessBase"] [SourceDate "1999.11.16"] [SourceVersion "1"] [SourceVersionDate "1999.11.16"] [SourceQuality "1"] [WhiteTeam "US of America"] [BlackTeam "Soviet Union"] [WhiteTeamCountry "USA"] [BlackTeamCountry "URS"] {[%evp 0,64,22,-5,22,26,30,18,18,18,18,22,27,11,3,0,0,0,-3,0,-1,7,7,7,-4,-34, -17,-9,2,-28,-28,-34,-34,-30,-14,-18,-5,-20,-35,-42,-52,-62,-82,-81,-88,-84, -81,-81,-103,-119,-64,-117,-84,-109,-70,-96,-67,-108,-108,-476,-468,-548,-580, -592,-595,-1387,-1528]} {Dies ist die erste Partie zum Thema "Die Schwäche des isolierten Bauern". Fünf weitere Partien zu diesem Thema werden folgen. Schon in der Präcovid-Zeit haben wir uns mit dem Isolani beschäftigt und den wichtigen Lehrsatz postuliert, dass der Isolani vorrücken muss, wenn er dazu Gelegenheit findet. Ebenso muss der Spieler, der gegen den Isolani spielt, darauf achten, dass das Vorrücken verhindert wird. Wichtig ist auch, dass nicht der Isolani sofort attackiert werden muss, sondern entscheidend ist, dass das Feld VOR dem Isolani zu kontrollieren ist, eben um sein Vorziehen zu verhindern. Für alle Partien ziehe ich die Kommentare von Großmeistern heran, so solche vorhanden sind. Für diese Partie liegen z. B. keine GM-Analysen vor, sodass ich mich auf mein bescheidenes Schachwissen beschränken muss. Um keine eigentlich auf der Hand liegende Taktik zu übersehen, lasse ich dann jede Partie durch Houdini nochmals prüfen. Auf die gespielten Eröffnungen gehe ich nur am Rande ein, denn offensichtliche Eröffnungsfehler werden sich in den GM-Partien ja nicht finden. Also starten wir!} 1. c4 c5 2. Nc3 g6 3. Nf3 Bg7 4. e3 ({Möglich, aber nicht gut ist auch sofortiges} 4. d4 cxd4 5. Nxd4 Nc6 {mit Ausgleich. Bei solchen Stellungen fühle ich mich befangen, denn der d-Bauer ist für mich ein "heiliger" Stein, den ich mich zu tauschen weigere. Und hier bliebe Schwarz mit zwei Bauern auf den Zentrallinien gegen einen Zentrallinienbauern von Weiß "im Vorteil". Übrigens: Dass jeder Eröffnungszug auf die Beherrschung des Zentrums ausgerichtet ist, sollte inzwischen allen klar sein. Die verschiedenen Zentrumsformen werden wir nach und nach in eigenen Lektionen auch noch behandeln.}) 4... Nf6 5. d4 O-O 6. Be2 cxd4 7. exd4 d5 8. O-O (8. Bg5 $6 dxc4 9. Bxc4 Bg4 $11) 8... Nc6 9. h3 Bf5 ({Spielbar ist auch} 9... dxc4 10. Bxc4 Na5 11. Be2 Be6 $14) 10. Be3 dxc4 11. Bxc4 Rc8 $14 12. Be2 {Und schon ist er da; nicht der Frühling, nicht das Virus, sondern der Isolani.} Be6 {Ein Zug des Weltmeisters, den die Engine überhaupt nicht unter den 4 besten Zügen listet. Aber ich denke, der Weltmeister weiß, was er tut.} ({Ebenbürtig scheint mir} 12... Nb4 {zu sein, auch wenn} 13. Qb3 {auf dem ersten Blick unangenehm aussieht.} Nc2 {schlägt dann die Maschine vor} {aber nach} 14. Rac1 Nxe3 15. fxe3 Bh6 16. Kf2 {ist Weiß seinen Isolani los, aber Houdini sieht Schwarz leicht in Vorteil. Ich glaub das nicht ganz, ohne das Gegenteil beweisen zu können.}) 13. Qd2 Qa5 (13... Na5 14. b3 $11) 14. Bh6 $6 {Sieht eigentlich nicht so schlecht aus, denn der Läufer auf g7 drückt unangenehm auf d4 und die schwarzen Felder um den König herum sollten nach dem Tausch schwach bleiben. Die Frage ist nur, wie greift man sie an. Schwächen, die man nicht angreifen kann, haben keine sonderliche Bedeutung.} Rfd8 15. Bxg7 Kxg7 16. Rfd1 Rd6 $1 17. Qe3 Rcd8 18. a3 {Wir sehen: Das Feld VOR dem isolani ist fest in schwarzer Hand, während der Isolani selber noch ausreichend verteidigt ist.} ( 18. Nb5 $6 {geht leider nicht} Rd5 19. Nc3 R5d7 20. Ne5 $2 Rxd4 21. Nxc6 Rxd1+ $19) 18... Bb3 $15 19. Rd2 (19. Nb5 $6 Bxd1 20. Nxd6 Bxe2 21. Nxb7 Qb6 $17 22. Nxd8 Bxf3 23. Nxc6 Bxc6 {und eigentlich herrscht materielles Gleichgewicht (20: 20 Bauerneinheiten), aber der Springer, der nach d5 ins Zentrum kommt, dürfte die Qualität allein aufwiegen.}) 19... Re6 20. Qf4 (20. Qd3 a6) 20... Nd5 ( 20... h6) 21. Nxd5 Rxd5 22. g4 (22. Bd3 Rf6 23. Qe3 Rxf3 $1 24. gxf3 Nxd4 $17 25. Be4 $2 Qxd2 26. Bxd5 Bxd5 $1 $19 {Auf so blöde taktische Sachen fällt man leicht herein.}) (22. Qg3 Rf6) 22... g5 23. Qg3 Rf6 24. Bd1 (24. Rd3 Bc4 25. Re3 Bxe2 26. Rxe2 Rxf3 $1 27. Qxf3 Nxd4 {und auf solche auch. Und wenn diese Möglichkeiten überhand nehmen, dann ist das schon ein Zeichen, dass der Hut bereits lichterloh brennt.}) 24... Bc4 (24... Rxf3 $2 25. Qxf3 Qxd2 26. Bxb3 Rxd4 27. Qxf7+ Kh6 28. Qf8+ Kg6 {Es sei gesagt, dass mich solche Computeranalysen zur Verzweiflung treiben. Die Maschine meldet +37 Vorteil für Weiß, zeigt dann aber nicht, wie Weiß gewinnt, sondern wiederholt die Züge Df8+, Dg8+, De6+ und kommt keinen Schritt weiter. Auch deswegen bin ich bei Computerzügen so skeptisch.}) 25. b3 (25. Rc2 Bd3 {(/\ Be4)}) 25... Ba6 ( 25... Rxf3 26. Bxf3 Qxd2 27. bxc4 (27. Rd1 $2 Qc3 28. bxc4 Rxd4 29. Rxd4 Nxd4 30. Qe5+ Kh6 $1 $19) 27... Rxd4 28. Bxc6 bxc6 29. Qe5+ $10) 26. b4 Qd8 (26... Nxb4 27. Bb3 Nd3 28. Bxd5 Qxd5 $17) 27. Bb3 Nxd4 $1 28. Rxd4 (28. Bxd5 Nxf3+ 29. Bxf3 Qxd2 30. Rd1 Qc3) 28... Rxd4 29. Nxg5 (29. Nxd4 Qxd4 30. Rd1 Qe4 $17) 29... Rd3 30. Qh4 {Na, vielleicht sieht ers nicht und nimmt den Läufer?! Probieren wird man ja wohl noch dürfen.} h6 31. Nxf7 Qd4 32. Re1 Rxh3 $1 { Was haben wir aus dieser Partie lernen können? Es dauerte lang, bis der Isolani erobert wurde. Das positionelle Übergewicht von Schwarz, das er aufgrund des weißen isolani erhielt, wurde taktisch für einen Angriff genützt, bei dem am Ende Weiß ein Figurenverlust drohte. Nicht gesehen haben wir in dieser Partie die übliche Technik, dass Schwarz soviele Leichtfiguren wir möglich zu tauschen sucht, um den Isolani erst im Endspiel einzukassieren. Dieses Thema sehen wir dann in der nächsten Partie.} 0-1 [Event "Linares Anibal op 04th"] [Site "Linares"] [Date "1997.??.??"] [Round "8"] [White "Kharlov, Andrei"] [Black "Villavicencio Martinez, Adalberto"] [Result "1-0"] [ECO "C09"] [WhiteElo "2555"] [BlackElo "2275"] [Annotator "Donev,I"] [PlyCount "81"] [EventDate "1997.02.??"] [EventType "swiss"] [EventRounds "10"] [EventCountry "ESP"] [SourceTitle "CBM 058"] [Source "ChessBase"] [SourceDate "1997.06.01"] [SourceVersion "1"] [SourceVersionDate "1997.06.01"] [SourceQuality "1"] {[%evp 0,81,22,22,46,4,12,3,5,27,30,32,30,17,34,11,-6,17,30,36,32,29,32,32,53, 45,48,51,57,47,47,40,49,42,72,71,71,81,81,81,89,70,77,102,110,101,106,109,118, 108,108,113,119,110,110,114,122,118,120,120,123,69,63,46,46,46,55,57,57,57,57, 65,74,84,143,133,138,266,373,283,1030,942,1066,1090] Und hier eine äußerst lehrreiche Partie bei der ich zum überwiegenden Teil auf die Kommentare von GM Hajo Hecht zurückgreifen konnte. Gleichzeitig auch ein Beispiel dafür, dass schwächere Spieler meist glauben, dass sie durch rigoroses Abtauschen den Remishafen erreichen können. Das stimmt aber nicht, wie GM Kharlov nachweist, der sich auf die einfachsten strategischen Mittel stützen konnte, um die Partie erfolgreich zu Ende zu bringen.} 1. e4 c5 2. c3 e6 3. d4 d5 4. exd5 exd5 5. Nf3 Nc6 6. Bb5 Bd6 7. dxc5 Bxc5 8. O-O Nge7 9. Nbd2 O-O 10. Nb3 Bb6 {Ich glaube, dass das ein kleiner Fehler ist. Der Läufer gehört meines Erachtens nach d6, weil sonst die Gefahr besteht, dass er abgetauscht werden kann.} 11. Re1 Qd6 12. Be3 $1 {[%csl Rc5,Rd4,Re5] Und da haben wir den Salat auch schon.} Bxe3 ({Den Läufertausch kann Schwarz nicht vermeiden weil er nach:} 12... Bc7 13. Bc5 $1 {Material verliert.} Qf6 14. Bxc6 $18) 13. Rxe3 Bg4 14. h3 Bh5 (14... Bxf3 $142 15. Qxf3 Rad8 $14) 15. Be2 Rad8 16. Nfd4 {Nach jedem Figurenabtausch wird der Isolani noch schwächer. Es ist unverständlich, wieso der Nachziehende mit leichter Hand die Leichtfiguren tauscht. Vielleicht wollte die schwächere Seite aufgrund des grossen Elounterschiedes auf diese Weise remis erreichen?} Nxd4 $6 (16... Bg6 $142 17. Qd2 $14 {/\ (Dieses Symbol steht für "mit der Idee") Rd1 oder Re1}) 17. Nxd4 Bxe2 18. Qxe2 Nc6 {[#]} 19. Rd1 {Was kann sich Weiß mehr wünschen. Alle Figuren sind perfekt platziert. Die einzige offene Linie ist fest in weissen Händen, der Isolani vom Riesenspringer blockiert, sogar der weisse König steht besser - er hat das sogenannte Luftloch h3, und der Schwarze hat eine schwache 8 Reihe.} Nxd4 { Schwarz setzt seine Remis - Abtauschtaktik fort?} (19... Qg6 20. Qb5 Nxd4 ( 20... Rd7 21. Rde1 $16) 21. Rxd4 Qc6 (21... Qb1+ 22. Kh2 Qxa2 23. Re7 a6 24. Qb6 $1 Rde8 25. Rxe8 Rxe8 26. Qxb7 $16) 22. Qb3 $16) (19... Qd7 20. Nxc6 Qxc6 ( 20... bxc6 21. Re7 Qd6 (21... Rde8 22. Re1 Rxe7 23. Qxe7 $16) 22. Rxa7 $16 { Nun hat Schwarz zwar keinen Isolani mehr, aber um den Preis des a-Bauern, der Weiß zusätzlich einen gefährlichen Freibauern auf der a-Linie beschert.}) 21. Qd2 Rd7 22. Rd3 Rfd8 23. Rd4 b5 24. b3 {nebst c4 und der schwache Pd5 geht verloren.}) 20. Rxd4 Qc6 (20... Rd7 21. c4 Qa6 22. cxd5 Qxa2 23. Ra3 Qb1+ 24. Rd1 Qf5 25. Rxa7 Rxd5 26. Rxb7 $16) 21. Qd2 Rd6 22. Red3 Rfd8 {Karpov,A (2705) -Spassky,B (2640) Montreal 1979 (4) 1-0 [#] Alles klar. Beide Seiten haben die eigene schwere Artillerie um den schwachen Pd5 konzentriert. Es ist merkwürdig wie die weissen Figuren aufgebaut sind: Die Türme sind vor der Dame verdoppelt. An dieser Stelle erinnere ich mich an eine berühmte Partie , in der der Weltmeister auf gleiche Weise seine Schwerfiguren platziert hatte. Die oben erwähnte Partie werden wir demnächst analysieren.} 23. c4 $1 $18 { Der entscheidende Schlag. Der Isolani ist zum vierten Mal angegriffen und geht logischerweise verloren.} h6 24. Rxd5 Rxd5 25. Rxd5 Rxd5 26. cxd5 ({Mit der Dame zu schlagen, wäre ein grober Fehler, weil das Bauernendspiel Remis ist.} 26. Qxd5 $4 Qxd5 27. cxd5 Kf8 28. Kf1 Ke7 29. Ke2 Kd6 30. Kd3 Kxd5 $11) 26... Qd6 27. Qd4 a6 28. Kf1 Kf8 29. Ke2 Qe7+ 30. Qe3 Qb4 31. Qa3 $1 {Jetzt ist alles vorbei! Nur mit den Damen auf dem Brett hätte sich der Nachziehende auf taktische Weise retten können. Nach dem Damentausch ist das Endspiel elementar gewonnen.} Qxa3 32. bxa3 {Gewinn mit dem Mittelbauern, weil Schwarz keine Festung am Damenflügel aufrechterhalten kann.} Ke7 33. Kd3 Kd6 34. Kc4 b6 (34... b5+ 35. Kb4 Kxd5 36. Ka5 Kc5 37. Kxa6 Kc6 38. Ka5 Kc5 39. a4 b4 40. Ka6 Kc6 41. a5 {und die Bauernzüge des Schwarzen am Königsflügel erschöpfen sich bald.}) 35. a4 h5 36. h4 g6 37. g3 f6 38. f4 {Sichert Schwarz das wichtige Einbruchsfeld c5 mittels a5, so wandert Weiß mit Gesang via b5 ein.} Kd7 (38... a5 39. Kb5 Kc7 40. d6+ Kb7 41. d7 Kc7 42. d8=Q+ Kxd8 43. Kxb6 $18) 39. a5 $1 {Die letzte Kleinigkeit. Besorgt das Eindringungsfeld c5.} bxa5 40. Kc5 a4 41. a3 {Eine wunderbare positionelle Partie zum Thema: Spiel gegen den isolierten Damenbauer d5. Was dabei natürlich auch wichtig ist: Man muss für solche Partien freilich auch Bauernendspiele kennen und können, weil es im (Schach) Leben nichts umsonst gibt.} 1-0 [Event "Moscow op-A 16th"] [Site "Moscow"] [Date "2020.01.31"] [Round "7"] [White "IM Galperin, Platon"] [Black "GM Kunin, Vitaly L"] [Result "0-1"] [ECO "C41"] [WhiteElo "2460"] [BlackElo "2533"] [Annotator "Toefferl,Heimo"] [PlyCount "108"] [EventDate "2020.01.25"] [EventType "swiss"] [EventRounds "9"] [EventCountry "RUS"] [SourceTitle "Mega2020 Update 16"] [Source "Chessbase"] [SourceDate "2020.02.06"] [SourceVersion "1"] [SourceVersionDate "2020.02.06"] [SourceQuality "1"] {[%evp 0,108,19,38,82,72,82,72,97,56,76,16,62,61,65,35,42,40,36,46,45,45,72,61, 152,126,126,126,144,137,112,111,138,99,121,133,139,91,135,72,129,156,140,143, 157,119,173,115,195,150,150,155,155,156,173,171,156,191,206,141,168,201,201, 194,207,210,210,143,143,187,187,66,124,135,80,82,34,-42,54,49,40,0,54,97,154, -19,153,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,-29993,-29994,-29995,-29996,-29997, -29998,-29999,-30000]} {Eine sehr interessante Begegnung zwischen einem 17-jährigen aufstrebenden ukrainischen IM und einem etablierten eingedeutschten GM. Die Partie wurde heuer Ende Jänner beim Open Moskau gespielt. Die Partie ist für mich lehrreich vor allen im Hinblick auf meine computergläubigen Schachfreunde, die noch immer glauben, dass eine +2,5 und +-Bewertung vom Computer schon "automatisch" den Sieg bedeutet. Dem ist aber nicht so.} 1. e4 d6 {Ein Zug, mit dem die Philidor-Verteidigung beginnt. Es können daraus jetzt auch noch andere Eröffnungen entstehen.} 2. d4 Nf6 3. Nc3 e5 4. Nf3 ({Den Verlust der Rochade muss Schwarz nach} 4. dxe5 dxe5 5. Qxd8+ Kxd8 {und Damentausch nicht besonders fürchten.} 6. Nf3 Bd6 $14) 4... Nbd7 5. Rg1 {Das kommt nicht so häufig vor.} (5. Bc4 {oder}) (5. Be2 {führen zu "normalen" und gewohnten Stellungsbildern.}) 5... g6 6. g4 Bg7 7. g5 Nh5 8. Be3 O-O 9. Qd2 c6 {Nicht so stark, aber irgendwie logisch, denn Weiß wir groß rochieren und dann geht es darum, wer früher zum Bauernsturm oder Figurenangriff auf den gegnerischen König kommt.} 10. O-O-O b5 $2 {In den Anmerkungen zu dieser Partie schreibt GM Kunin: "Ich hatte früher an dieser Stelle schon Dc7 oder Te8 gespielt, konnte mich aber nicht daran erinnern, warum sofort b5 nicht geht." Wie tröstlich das für unsereins klingt, dass auch Profis vergessen, warum Varianten nicht gehen.} 11. a3 $1 a5 $2 {GM Kunin weiter: "Die Stellung war ohnehin schon schlecht, danach ist sie verloren!" Und was würde ich zu meinen Schülern sagen? Schrecklich, wie kann man denn nach 11 Zügen schon auf Verlust stehen, würde ich sagen und empfehlen: Wenn du schon Philidor spielst, dann schau dir die Eröffnung wenigstens kurz an. Mea culpa, manchmal urteile ich ungerecht, denn der GM hat die Eröffnung wahrscheinlich schon einige Male angeschaut.} 12. d5 $1 {Dazu notiert GM Kunin: "So gruselig bin ich aus einem Philidor schon lange nicht mehr rausgekommen: nach 12...b4? 13.dxc6 bxc3 14..Dxd6 hat Schwarz nicht mehr die Möglichkeit 14. ...Da5. Er verliert einen Bauern und steht obendrein schlecht. Und das die nächsten (gefühlten) 100 Züge lang...} c5 13. Bxb5 ({Etwas besser scheint} 13. Nxb5 {zu sein.}) 13... Rb8 14. a4 Nb6 15. b3 Bh3 $6 16. Bc6 Nf4 17. Rg3 Bc8 18. h4 Ba6 19. Nb5 c4 20. Kb1 cxb3 21. cxb3 Nc8 22. Rc1 Ne7 23. Ka2 Rc8 24. Rgg1 f5 25. gxf6 Rxf6 26. Ng5 h6 27. Bxf4 exf4 28. Nf3 Rb8 29. Nbd4 Rb4 30. Bb5 Bxb5 31. axb5 Qb6 32. Nc6 Rf7 {Für meine Computergläubigen: Hier steht Weiß mit +21 klar auf Gewinn. Es kann also nichts mehr passieren?!} 33. e5 {ist nicht ganz so stark, sollte aber auch reichen.} (33. Nxe7+ Rxe7 34. Rc8+ Re8 ({ denn} 34... Kh7 {scheitert wohl an} 35. Ng5+ hxg5 36. hxg5) 35. Rxe8+ Kf7 36. Rc8 {mit +24 Computerbewertung}) 33... Qxb5 {und Weiß steht "nur mehr" mit +3 besser.} 34. Nxb4 $4 {und plötzlich ist die Stellung nur mehr ausgeglichen.} axb4 35. Rgd1 Rf8 36. Kb1 Ra8 37. Rc2 Ra3 38. Qd3 Qa5 39. Kc1 dxe5 $6 {und danach steht Weiß laut Computer wieder auf Gewinn.} (39... Qa7 $14) 40. d6 e4 41. Qc4+ $6 ({aber nach} 41. Qxe4 $18 {wäre ich wohl vermutlich noch immer verloren gewesen. sagt der GM.}) 41... Kh7 {Sehr interessant zu beobachten ist für mich, dass viele Partien um den 40. Zug herum verloren gehen, weil Fehler gemacht werden, nachdem die Zeitnot überstanden ist und plötzlich die ganze Anspannung, die während der Zeitnot besteht, abfällt.} 42. dxe7 $4 {Nun habe ich wieder Chancen, sagt der GM, Und auch der Computer sieht eine ausgeglichene Stellung, obwohl Weiß einen Mehrturm hat und zusätzlich eine neue Dame vor der Tür steht.} e3 $1 43. fxe3 fxe3 44. Rb2 Ra1+ 45. Kc2 Qf5+ 46. Qd3 Qc5+ 47. Qc4 Qf5+ 48. Qd3 Qxf3 49. e8=Q Qg2+ 50. Rd2 Qg1 51. Qdxe3 { Weiß schlägt den gefährlichen Bauern und ist plötzlich selber hin!} (51. Qc4 Rc1+ 52. Kd3 Rxc4 53. Kxc4 exd2 54. Rxd2 Qc1+ 55. Kd3 Qc3+ 56. Ke2 Qxb3 { und das dürfte wohl remis sein.}) 51... Rc1+ 52. Kd3 Qf1+ 53. Re2 Rc3+ 54. Ke4 Qf5# {Dame und Qualität hat Weiß noch immer mehr, aber das Matt wiegt schwerer.} 0-1 [Event "Montreal"] [Site "?"] [Date "1979.??.??"] [Round "4"] [White "Karpov, Anatoly"] [Black "Spassky, Boris"] [Result "1-0"] [ECO "D37"] [WhiteElo "2705"] [BlackElo "2640"] [Annotator "Toefferl,Heimo"] [PlyCount "81"] [EventDate "1979.??.??"] {[%evp 0,81,19,31,14,-14,-11,0,0,6,29,15,11,21,46,61,51,-14,15,40,53,36,19,-12, 169,9,46,72,67,51,46,69,72,17,21,37,46,32,63,42,63,32,37,39,36,42,76,69,64,69, 69,72,70,58,60,48,58,50,59,50,59,40,50,38,57,27,81,24,57,89,137,143,139,126, 130,122,119,119,432,443,442,456,461,462]} {Eine sehr interessante und lehrreiche Partie erwartet uns, wobei wir nicht vergessen wollen, dass sich zwei Weltmeister gegenüber sitzen. Ich bin natürlich nicht in der Lage, auf irgendwelche Feinheiten im Spiel der beiden Weltmeister hinzuweisen. Es geht mir ausschließlich darum, das Spiel gegen den Isolani zu zeigen. Nicht mehr und nicht weniger, aber sehen wir uns das Spektakel trotzdem an.} 1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 d5 4. Nc3 Be7 5. Bf4 {Eine recht häufig anzutreffende Variante im Damengambit.} O-O 6. e3 c5 7. dxc5 Nc6 8. Qc2 Qa5 9. a3 Bxc5 10. Rd1 Be7 11. Nd2 Bd7 12. Be2 Rfc8 13. O-O Qd8 14. cxd5 exd5 {[#] Und der Isolani erscheint auf dem Brett.} 15. Nf3 {Der Springer kehrt zurück, um das Feld VOR dem Isolani zu sichern.} h6 16. Ne5 {Bei solchen Zügen sehen wir wieder den Unterschied zwischen Mensch und Maschine: Die Engine hat diesen Zug natürlich nicht unter den vier besten möglichen Zügen gereiht, sondern schlägt Db3 oder Sd4 vor. Mein Vertrauen gehört trotzdem dem Weltmeister, auch wenn ich zugeben muss, dass der WM in einem Wettkampf über mehrere Partien den heutigen Computern unterliegen wird. Und es muss gar kein Supercomputer sein; ein besseres Handy reicht wahrscheinlich auch. So ändern sich eben die Zeiten und die Turnierveranstalter werden noch viel Geld und Hirnschmalz inverstieren müssen, um einen möglichen Betrug mit elektonischer Hilfe auszuschließen. Bevor ich es zu sagen vergesse: Der Zug (Se5) folgt dem Motiv, möglichst viele Leichtfiguren abzutauschen, da mit jedem Abtausch der Isolani schwächer wird.} ({Für ungeübtere Schachfreunde:} 16. Nxd5 {verbietet sich, wegen} Nxd5 17. Rxd5 Nb4 {und dem Verlust der Qualität.}) 16... Be6 17. Nxc6 Rxc6 ({ Nicht gut wäre hier} 17... bxc6 {was dem Isolani nicht nur in "hängende Bauern" umwandeln würde, sondern hier vor allem nach} 18. Ba6 {die Qualität kostet.}) 18. Bf3 Qb6 19. Be5 {sichert wieder das Feld VOR dem Isolani.} Ne4 { Das ist ein Beispiel dafür, dass der Isolani nicht nur Schattenseiten hat. So wie hier bietet er einem Springer im Zentrum einen starken Stützpunkt. Ein anderer Weltmeister, der Patriarch Botwinnik, spielte sehr gerne mit dem Isolani auf d4, weil er im Feld e5 einen guten Stützpunnkt für den Springer fand. So sieht man auch im Schach, dass Gusto und Ohrfeigen verschieden sind.} 20. Qe2 Nxc3 (20... Bf6 {funktioniert leider auch nicht, wegen} 21. Nxd5 Bxd5 22. Rxd5 Ng5 23. Bg4 Bxe5 24. Rxe5 {und der Isolani ist trotzdem futsch.}) 21. Bxc3 Rd8 22. Rd3 Rcd6 23. Rfd1 R6d7 24. R1d2 Qb5 25. Qd1 {Und diese Stellung mit den Positionen, die die Schwerfiguren einnehmen, sollte uns irgendwie bekannt vorkommen.} b6 26. g3 Bf8 27. Bg2 Be7 28. Qh5 a6 29. h3 Qc6 30. Kh2 Qb5 31. f4 f6 32. Qd1 Qc6 33. g4 g5 34. Kh1 a5 35. f5 Bf7 36. e4 Kg7 37. exd5 Qc7 38. Re2 {Auf der verzweifelten Suche nach Gegenspiel werden sehr oft nächstliegende Drohungen übersehen. Dazu ist die nervliche Anspannung zu berücksichtigen, denn natürlich spürt und sieht Schwarz seit geraumer Zeit, dass seine Stellung auf Dauer kaum zu halten sein wird.} b5 $2 39. Rxe7 Rxe7 40. d6 Qc4 41. b3 {Ein nettes Beispiel mehr dafür, welche Nachteile ein Isolani mit sich bringt und wieviel Geduld von der Gegenseite trotzdem aufgebracht werden muss, um diese Nachteile auch verlässlich nachzuweisen.} 1-0